Gesehen-versucht-geliebt

Als lebensfrohe Berühmtheit des Rollstuhlsports entpuppte sich Lars Christink. Der gelernte Industrieelektroniker hatte in Kindheit und Jugend den großen Traum, Fußballprofi zu werden. Doch das Schicksal hatte etwas anderes für ihn bestimmt. Im Dezember 1990 erlitt der damals Achtzehnjährige einen schweren Autounfall. Seit dem ist er unterhalb des 12. Brustwirbels querschnittgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Gleich bei der Reha entdeckte er seine Liebe zum Basketball. "Gesehen, versucht, geliebt.", wie er sagt. Von da an ging es steil bergauf. 1994/95 wurde er in der Oberliga mit dem "BSV Weimar" Süd-Meister. Ab 1996 spielte er in der süddeutschen Bundesliga. Ein Höhepunkt war im Juni 2003: Lars Christink wurde Deutscher Meister und Pokalsieger bzw. Championscup-Sieger. Im Jahr 2008 wechselte er zu den JENA CAPUTS. Von dort stieg er über die zweite in die erste Bundesliga auf, wo die Mannschaft den 1. Platz erreichte. Bei zahlreichen Europa- und Weltmeisterschaften erzielte er vordere Ränge. Doch für ihn ist es zweifellos, wo er die schönsten Erfahrungen gemacht hat: drei Mal durfte er an den Paralympischen Spielen teilnehmen. Am zugänglichsten waren die Menschen in Sydney. "Es ist gigantisch, wie viele Menschen mit Handicap dort zusammen kommen. Das Beste ist, dass man durch den Sport so viel Kontakt zu Gleichgesinnten bekommt."

Heute ist Lars Christink Trainer und Vereinschef. Doch er hat auch noch eine andere Seite. Auf die Frage, wie seine Familie und Freunde reagiert haben, antwortet er lächelnd: "Trotz des Entsetzens nach dem Unfall waren und sind alle für mich da. Meine Familie steht hinter mir und alle unterstützen mich. Seit 2009 bin ich glücklich verheiratet." Wichtig für mich zu erfahren war, wie generell der Alltag für Nicht-Fußgänger ist. Lars meint: "Die Integration in Deutschland ist schon ganz gut, es gibt sehr viele Möglichkeiten und Angebote für uns." Doch die Menschen müssten noch offener werden, auf Personen mit Behinderung zuzugehen. Es gibt in der Öffentlichkeit noch zu viele Hindernisse, um uneingeschränkter zu sein. In den meisten Häusern gibt es keine Fahrstühle und viele Türen sind nicht breit genug.

Er findet dieses Projekt der Landessportspiele ist eine sehr gute Idee, da vor allem junge Menschen viele Erfahrungen im Umgang mit Behinderten machen müssen, denn bei einigen überwiegen noch immer die Ängste davor, Leute mit Handicap anzusprechen und ihnen Hilfe anzubieten. Sehen wir also die 25. Landessportspiele als "Erste-Hilfe-Kurs" für ein aktiveres Miteinander.

Vreni