Ignorieren oder Hilfe anbieten?

Michaela

Diese Frage stellte ich mir, bevor ich mich mit Michaela Schlett zur Vorbereitung der Landessportspiele traf. Oft habe ich davon gehört, dass es vielen körperlich behinderten Menschen unangenehm ist, wenn sie zum Beispiel im Supermarkt angesprochen werden, ob man ihnen helfen könnte. Ich stand selbst mehrere Male vor der Entscheidung: "ignorieren oder Hilfe anbieten?". Wollen solche Menschen mit Handicap überhaupt, dass wir sie fragen, ob wir ihnen behilflich sein können? Oder wollen sie lieber selbst auf uns zu kommen? Michaela ist sich sicher: Sie freut sich immer sehr, wenn andere ihre Hilfsbereitschaft zeigen. "Solange mir nicht gleich der ganze Wagen vollgepackt wird ...", meint sie mit einem Schmunzeln, "nehme ich auch mal gerne Hilfe von anderen an."

 

Die 34-Jährige sitzt seit sieben Jahren im Rollstuhl und kann dennoch ihren Alltag ausgezeichnet mit ihrer Tochter gemeinsam meistern. Dabei hat ihr auch ihre "neue" Sportart geholfen. Seit ihrem vierten Lebensjahr ist Michaela sportlich aktiv, zum Beispiel im Schwimmen und der Sportakrobatik. Sie spielte vor ihrem Verkehrsunfall 2007, seitdem sie komplett auf ihren Rollstuhl angewiesen ist, mit ihrer Hockey-Mannschaft in der 1. Bundesliga. Seit April 2010 hat sie das Handbiken für sich entdeckt. Handbiken ist ein Radsport bei dem das Rad nur durch die Kraft der Arme angetrieben wird. Diese Kraft dient ihr etwa, beim Hineinheben in ihr Auto, welches sie durch moderne Techniken selbst fahren kann. Außerdem fühlt sie sich durch die Bewegung ausgeglichener. Sie würde es jedem Rollstuhlfahrer empfehlen, trotz des Handicaps Sport zu betreiben, da es ihr selbst in dieser schwierigen Situation auch viel Mut geschenkt hat. Und es ist ja auch nicht immer jemand zum Helfen da...

Charlotte